Skoda Octavia Combi 2013 Test: viel Raum um nichts?
Dass die Neuauflage eines Autos besser sein soll als der Vorgänger, das versteht sich von selbst. Beim Skoda Octavia Combi klingt diese Binsenweisheit aber wie eine Drohung. Muss sich die Konkurrenz ob der jüngsten, dritten Generation also Sorgen machen – und dürfen sich die Kunden auf einen gelungen Wurf freuen? Ein Testbericht.
Von weiten und praktischen Räumen
Rein äußerlich übt sich der Octavia Combi wie bereits die Limousine in nobler Zurückhaltung. Die Zurückhaltung kleidet sich zum Beispiel in einen in Chrom gefasten Kühlergrill, in Flanken mit dezenten Bundfalten und in scharf geschnittene Scheinwerfer. Trotz aller Bescheidenheit strotz das Design nur so vor Vertrauen auf die eigenen Stärken.
Traditionell hat Skoda seine Stärken ja im Bereich Raumangebot und Transportqualität; und es gibt das Gerücht, dass Kombis vornehmlich wegen dieser Eigenschaften gekauft werden. Was hat der neue Skoda Octavia als Combi also in dieser Hinsicht zu bieten?
Nun, zunächst hat er in der dritten Auflage noch einmal ein Scherflein bzw. einige Liter draufgelegt. Mit bis zu 1.740 Litern Kofferraumvolumen ist der Tscheche in seiner Klasse nicht nur einsame Spitze, sondern schafft auch gut 100 Liter mehr als der Vorgänger. Nutzt man den Combi als Fünfsitzer, bleiben immer noch stattliche 610 Liter übrig, 30 Liter mehr als bisher.
Doch Volumen ist nicht alles. Gut also, dass der Stauraum im Combi auch praktisch ist. Das Umklappen der Rückbanklehnen gelingt bspw. einfach per Fernentriegelung und schafft einen ebenflächigen Ladeboden, der über die weit öffnende Heckklappe lackschonend beladen werden kann. Zudem ist der Kofferraum mit belastbaren Stoffen ausgekleidet und gespickt mit allerlei Ösen und Haken, mit denen das Ladegut an seinem angestammten Platz gehalten wird.
Wem der Laderaum trotzdem noch verbesserungsbedürftig erscheint, der kann ihn mit diversen Extras wie etwa einem verstellbaren Ladeboden aufmöbeln.
Von feiner Handarbeit
Einer Erztugend sind wir also bereits auf die Spur gekommen. Doch dass ein Skoda ein Transportwunder ist, kommt nicht überraschend. Ungewöhnlicher ist da schon, dass sich der neue Octavia Combi im Innenraum edel präsentiert. Angefangen bei der feinsäuberlichen Verarbeitung bis hin zu den optisch und haptisch hochwertigen Materialien ist das gesamte Interieur um Klassen besser als beim Vorgänger. Darüber hinaus ist im dritten Octavia-Sprössling endlich auch das Navi auf dem Stand der Technik. Kurz gesagt: der Combi hat eine seiner wenigen Schwachstellen eingebüßt.
Von der erträglichen Leichtigkeit der Abstinenz
Bleiben noch die Antriebe: Die vier Benziner und zwei Diesel erinnern uns zunächst weniger an mitreißende Spitzensportler als vielmehr an gut trainierte Ausdauerathleten, die jederzeit einen kurzen Zwischenspurt einlegen können.
Bei den Benzinern hat Skoda auf VW-Aggregate zurückgegriffen, die auch im Audi A3 und im VW Golf 7 zum Einsatz kommen. Dank deren verbesserter Abgasführung – sie soll den Motor schneller erwärmen und so effizienter machen – und einer Gewichtsreduktion von 100 Kilogramm, kommen die Ottomotoren mit rund 20% weniger Kraftstoff aus.
Die Palette reicht dabei vom 1.2 TSI mit 86 PS bis hin zum 1.8 TSI mit 180 PS und 250 Nm Spitzendrehmoment. Da das Drehmoment des Topbenziners bereits bei 1.250 Touren anliegt, schnellt der etwa 1,3 Tonnen wiegende Octavia Combi mit diesem in nur 7,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Ist das Aggregat auch noch mit der Green-Tec-Spritspartechnologie kombiniert, liegt der NEFZ-Verbrauch lediglich bei 5,7 Litern.
Bei den Dieseln gibt der 1.6 TDI mit den 105 PS und 250 Nm Drehmoment den umtriebigen Einsteiger, der den tschechischen Kombi laufruhig, flott und besonders sparsam vorantreibt (3,8 Liter/100 km bzw. 99 g/km Kohlendioxid-Ausstoß, gut 5 Liter im Testdurchschnitt).
Der stärkere Diesel verteilt seine 2 Liter Hubraum ebenfalls auf vier turbogeladene und per Common-Rail-Einspritzung versorgte Zylinder, allerdings produziert er 150 PS und – ab 1.750 Touren – 320 Nm Spitzendrehmoment. Damit eilt er moderat nagelnd in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und verbraucht dabei nur rund 0,4 Liter mehr als der kleine Diesel. In unserem Test waren es im Schnitt ziemlich genau 6 Liter – das Abspecken ist also auch den Selbstzündern wohl bekommen.
Fazit: Der geschmeidig aber hart genug gefederte Skoda Octavia Combi ist für den Fahrer tatsächlich ein Hort der Freude – und der Konkurrenz dürfte er auch angesichts des Preises das Fürchten lehren. Bei MeinAuto.de beginnt er bei 14.578 Euro. (nau)
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Fotos: Auto Motor und Sport – Hartmann