Der Opel Kadett ist längst Geschichte – sein Nachfolger, der Astra, hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Doch an den VW Golf, den unangefochtenen Spitzenreiter der Kompaktklasse, reicht er noch nicht ganz heran. In der mittlerweile 11. Generation ist der Astra dem Golf jedoch so nah wie nie zuvor. Neben diesen beiden Klassikern spielt auch der Ford Focus eine wichtige Rolle im Kompaktsegment. Doch wie schlägt sich die aktuelle, vierte Generation des Focus im Vergleich zum Opel Astra? Unser Vergleich liefert die Antwort.
Opel Astra vs. Ford Focus
Geschliffene Modernität trifft auf sportliche Üppigkeit
Opel Astra
Stärken:
- modernes Outfit
- geräumigeres Cockpit
- Bedienung etwas eingängiger
- sparsame Antriebe
- günstigeres Basismodell, höherer Komfort
Schwächen:
- ab Werk weniger gut ausgestattet
- kein Sportfahrwerk
Ford Focus
Stärken:
- sportlicher Auftritt
- groĂźzĂĽgiges Platzangebot, ĂĽppige Ausstattung
- größerer Kofferraum
- sparsame Antriebe
- sportliche Abstimmung
Schwächen:
- Bedienung umständlicher
- weniger Federungskomfort
- höherer Einstiegspreis
â–¶ Karosserie
Opel Astra baut niedriger und moderner – Ford Focus schmaler und sportlicher
Wenn wir uns die Abmessungen der beiden Kleinwagen-Klassiker ansehen, wird klar: Selbst nach dieser langen Zeit passt kaum ein Zweig zwischen die beiden kompakten, 5-türigen Schräghecklimousinen. Mit einer Länge von 4,37 Metern ist der Opel Astra nahezu gleich lang wie der Ford Focus mit 4,38. Das Duo ist damit um ca. zehn Zentimeter länger als der VW Golf.
In die Breite geht der Rüsselsheimer 1,86, der Kölner 1,85 Meter. Nur in der Höhe liegen mehrere Zentimeter zwischen ihnen: namentlich deren drei. Der Astra kommt mit 1,44 Metern Sportwagen-verdächtig flacht daher. Ist das ein Fingerzeig? Für das jeweilige Designs eher nicht.
Der Ford Focus sieht nach wie vor sportlicher aus. Der sportliche, dynamische Auftritt ist seit jeher sein Markenzeichen. Der Opel Astra ist braver gezeichnet, aber ohne altbacken zu wirken. Vor allem die Front gibt ihm einen modernen Anstrich: mit dem abgedunkelten Plexiglas-Kühlergrill namens Opel ʺVizor". Dass hinter ihm mehr steckt als ein schöner Anstrich, werden wir noch sehen.
â–¶ Innenraum
Astra mit etwas mehr Platz im Cockpit – Focus mit größerem Kofferraum
Zuvor wollen wir erfahren, ob der Opel Astra oder der Ford Focus mehr Platz und Stauraum bietet. Vorne sind beide außergewöhnlich geräumig, der Astra lässt uns noch mehr Luft, insbesondere den Beinen. Selbst bei einer Größe von zwei Metern bleibt Spielraum. Im Fond sind sich der Ford und der Astra einig. Auf den Rücksitzen wird es ab einer Größe von rund 1,90 Metern eng für die Köpfe und Beine.
Mehr kann man von Kompaktwagen nicht erwarten. Beim Stauraum mischen Astra und Focus ebenfalls vorne im Segment mit. Der Opel rückt mit einem Kofferraumvolumen von 422 bis 1.339 Litern aus, der Ford legt mit 477 bis 1.357 noch einige Liter drauf. Flexibilität scheint hingegen bei keinem auf der Prioritäten-Liste oben zu rangieren. Die Variabilität erschöpft sich in zweiteiligen Lehen, die sich separat umklappen lassen.
Focus hat die umfangreichere Serienausstattung
Damit wechseln wir zur Frage, welche Serienausstattung sich zuerst erschöpft: die des Astra oder die des Ford? Im Focus sehen wir vor lauter Ausstattungsbäumen kaum den Wald an Extras. Gelingt es, den Ausstattungs-Wildwuchs zu lichten – es sind sieben Linien, im Opel hingegen nur drei –, wird sichtbar: Ford stattet seinen Kompakten ausgesprochen gehaltvoll aus. Die Basisausstattung ʺTitanium" umfasst eine 2-Zonen-Klimaautomatik und das “Sync 4”-Navigationssystem.
Opel spendiert dem Astra ab Werk, i.e. in der ʺEdition"-Linie, eine 1-Zonen-Klimaautomatik und ein Infotainmentsystem. Dank der einfachen Integration von ʺGoogle Maps" beherrscht es aber auch das Navigieren. Das Navi im Ford ist aber ein veritables Online-Navi; es kostet beim Astra extra. Im Ford muss dagegen ein vollwertiges digitales Instrumentarium extra bezahlt werden. Es zieht in der zweiten Ausstattung “Titanium X”; gemeinsam mit einer induktive Ladestation.
Ford Focus: größerer Touchscreen, schnelleres, aber umständlicheres Infotainment
Im Opel Astra ist das 10 Zoll große Digital-Instrument Teil der Serienausstattung; induktives Laden kostet aber auch bei ihm Aufpreis. Wie aber geht der Vergleich der Infotainment-Systeme aus? Die Konnektivität ist bei beiden tadellos, sprich serienmäßig kabellos. Der Touchscreen steht im Astra wie im Focus frei; so ist er hier wie dort gut zu erreichen.
Im Ford ist der Bildschirm mit einer Diagonale von gut 30 Zentimetern fünf Zentimeter größer. Trotzdem reagiert das System noch einen Deut schneller. Die Struktur der Menüs dürfte sowohl im Focus wie im Astra flacher sein. Die Bedienung im Opel lenkt uns insgesamt aber weniger ab: weil die Rüsselsheimer anders als die Kölner nicht auf eine Leiste mit Direkt-Wahltasten verzichten.
â–¶ Motor
Astra setzt auf Dreizylinder-Benziner und Vierzylinder-Diesel – Ford ebenso
Verzicht ist fĂĽr das Antriebssortiment des Opel Astra ein Fremdwort. Er kann auch rein elektrisch oder per Plug-in-Hybrid angetrieben werden. Wir testen das Verbrenner-Angebot. Es setzt sich zusammen: aus dem Dreizylinder-Benziner 1.2 Turbo mit 110, 130 PS und 136 PS; und dem 1,5 Liter groĂźen Vierzylinder-Turbodiesel mit 130 PS (Energieverbrauch (kombiniert) 5,0 bis 5,8 l/100 km, CO2-Emission (kombiniert) 113 bis 132 g/km, CO2-Klasse C bis D).
Auffällig ist der gering Leistungsunterschied zwischen den zwei stärkeren Ottomotoren. Er hat einen guten Grund. Der 136-PS-Benziner arbeitet mit einem 48 Volt Mild-Hybridsystem. Der Elektromotor des Mildhybrids steckt im elektrischen 6-Gang-DSG. Er verhilft dem 1.2 Turbo 48 V zum besten Antritt und zur besten Effizienz unter den Opel-Antrieben. Der Verbrauch pendelt sich während unserer Testfahrt bei rund 5,5 Litern ein. Der Diesel ist bestenfalls ein, zwei Zehntelliter sparsamer – von 0 auf 100 km/h aber 1,5 Sekunden langsamer.
Es macht also Sinn, dass Ford beim Focus durch die Bank auf Mild-Hybridsysteme setzt: sowohl beim Dreizylinder-Turbobenziner 1,0 EcoBoost mit 125 und 155 PS; wie beim 1,5 Vierzylinderdiesel EcoBlue mit 115 PS (Energieverbrauch (kombiniert) 4,9 bis 6,3 l/100 km, CO2-Emission (kombiniert) 117 bis 153 g/km, CO2-Klasse D bis E). Aufgrund der schwächeren Leistung ist der Selbstzünder beim Focus der sparsamste Antrieb. Dabei hilft, dass er wie der Astra-Diesel an einer 8-Stufen-Automatik hängt.
Der schwächere Benziner wird manuell per 6-Ganggetriebe traktiert, der 155-PS-Motor vertraut auf die 7-Gang-"PowerShift"-Automatik. Gut so, denn er ist mit 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h im Vergleich der stärkste Antrieb – der 1.2 Turbo 48 V des Astra ist aber ein wenig sparsamer.
â–¶ Komfort
Opel Astra mit mehr Fahrkomfort – Focus mit mehr Dynamik
Bei den Fahrwerken ist die Auswahl beim Astra wie beim Focus ungleich karger. Opel hat für den Astra ausschließlich das Standardfahrwerk im Programm – Ford liefert den Focus in den höheren Ausstattungen auch mit einem Sportfahrwerk aus. Da der Kölner aber serienmäßig bereits betont sportlich abgestimmt ist, ist es im Grunde überflüssig.
Sinn macht das Sportfahrwerk beim Focus nur mit Adaptivdämpfern; die gibt Ford aber nur für den Focus ST heraus. Der Opel bietet im Alltag jedenfalls den etwas besseren Fahrkomfort. Die Bremsen überzeugen im Test in beiden Limousinen. Der Bremsweg aus Tempo 100 ist jeweils deutlich kürzer als 35 Meter.
Auch bei den passiven und aktiven Sicherheitssystemen fahren der Opel Astra und der Ford Focus Rad an Rad. Beide holen im NCAP-Crashtest das optimale 5-Sterne-Ergebnis: beide habe zahlreiche hochwertige und auch den ein oder anderen autonomen Assistenten im Sortiment.
â–¶ Kosten
Astra mit günstigerem Einstiegsmodell – Focus mit ähnlichen Kosten im Unterhalt
Preislich lässt der Opel Astra den Ford Focus allerdings stehen. Er startet ab 27.910 Euro, der der Focus erst ab 32.830 Euro – das aber direkt mit dem 125 PS. Der Das Basismodell des Astra hat 15 PS weniger; und ist weniger gut ausgestattet. Vergleichen wir Gleiches mit Gleichem, bleibt es zwischen Astra und Focus auch preislich ein enges Rennen.
Technische Daten
Opel Astra vs. Ford Focus
Länge
Breite (ohne AuĂźenspiegel)
Höhe
Wendekreis
TĂĽren
Sitzplätze
Gewicht
Kofferraumvolumen
Hubraum
Leistung in PS
Leistung in kW
Antriebsart
Getriebe I
Getriebe II
Sprint 0-100 km/h
Höchstgeschwindigkeit
Kraftstoffart
Spritverbrauch
Verbrauch (Elektro)
Batterie
Reichweite (Elektro)
CO2-Emission
Anhängelast (ungebremst)
Abgasnorm
CO2-Klasse
Euro NCAP-Wertung
Herstellergarantie
Listenpreis
4.374 mm
1.860 mm
1.441 - 1.470 mm
10,5 m
5
4
1.332 - 1.454 kg
422 - 1.339 l
1.199 - 1.498 cmÂł
110 - 136 PS
81 - 100 kW
Front
6-Gang manuell
8-Stuf.Autom./6-Gang-DSG
10,6 – 9,0 Sek.
199 - 210 km/h
Benzin, Diesel
5,0 – 5,8 / 5,0 l
/
/
/
113 - 132 g/km
600-710/1.150-1.550 kg
Euro 6e
C-D
5 von 5 Sterne
2 Jahre
27.910 bis 40.430 €
4.382 - 4.393 mm
1.848 mm
1.471 - 1.501 mm
10,7 - 11,1 m
5
5
1.349 - 1.512 kg
477 - 1.354 l
999 – 1.499 cm³
115 - 155 PS
85 - 114 kW
Front
6-Gang manuell
7-Gang Automatik
11,8 – 9,2 Sek.
190 - 206 km/h
Benzin, Diesel
5,2 – 6,3 / 4,9 - 5,8 l
/
/
/
117 – 153 g/km
670 - 735 /1.000 - 1.500
Euro 6e
D-E
5 von 5 Sterne
2 Jahre
32.100 - 38.600 €
Technische Daten
Opel Astra vs. Ford Focus
Wenn Du mich fragst...
Auf den Weg zu den Sternen, zum VW Golf, muss der Opel Astra erst am Ford Focus vorbei. Das ist leichter gesagt als getan, denn der kompakte Kölner ist und bleibt einer der sportlichsten 5-Türer im C-Segment: optisch wie fahrdynamisch.
Der Astra hält dem ein betont modernes, cooles Design entgegen. Außerdem überzeugt er mich im Test mit dem geräumigeren Cockpit, der etwas einfacheren Bedienung – und seinem überragend vielseitigen Antriebssortiment. Sein Mild-Hybrid-Benziner ist für mich der beste Antrieb im Test – der des Focus ist kaum schlechter.
Der Ford kann sich im Test mit dem größeren Kofferraum und der großzügigeren Serienausstattung in Szene setzen. In puncto Sicherheit und Konnektivität ist er so gut aufgestellt wie der Opel. Der Einstiegspreis des Focus ist allerdings deutlich höher – beim Blick auf die Unterhaltskosten relativiert sich dieser Unterschied aber.